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Going to San Francisco

2018-02-08 07:19
von Astrid Albers
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Mit Absicht keinen Reiseführer zur Hand genommen lasse ich mich lieber überraschen!
Superlative schüchtern ein, um wirklich andere Erfahrungen zu machen als die schon abgespeicherten Bilder bestätigt zu finden, brauche ich Mut und Offenheit - sage ich mir seit Wochen.

Lange Flugstunden in Betrachtung der mit flackernden Bildschrimen in Schach gehaltenen
Reisenden dienen als Einstimmung. Alle Sicherheitskontrollen überwunden, es ist Abend, Highway. Weisse Lichterketten, rote Lichterketten ohne Ende und Anfang fliessen Richtung Zentrum. Über die Brücke, ausgebremste Eile, der Verkehr ist zähflüssig, und es dauert bis man an der Eastbay angekommen ist.

Es ist wirklich alles gross: lange Wege zu Fuss, die nicht enden wollen… Brücken aus Stahl, aus Zement, aus Lichtern. Breite Zubringer, hässlich und schön zugleich. Die MUNI (Strassenbahn) schaukelt sich durch die Strassen von bunt gestrichenen, zusammengeschachtelten und geordneten Häusern gesäumt, es ist weit …. bis man am Ocean Beach ankommt, lange vorher geht die Straße auf und ab sanft den Hügelformen folgend, überall könnte man aussteigen…. Helles Licht am Meer: Weite.

Küstenlandschaft nie gesehen, rote Berge in der Ferne. Die Pazifikwellen rollen heran, schwarz gesprenkelt von Surfern, wie Robben, unglaublich der Sound und die Wucht mit der sie ankommen. Woanders ist November - hier auch, aber es ist warm wie im Sommer bei uns.

Barfuss im grobkörnigen Sand, nur ein Stück, denn der Rückweg geht durch den Golden Gate Park und der ist lang. Aus Versehen auf dem Golfrasen gelandet, vorbei an unbekannten Bäumen, die in den Himmel ragen und an knorrigen Gewächsen, gebogen vom Meeresklima und der Zeit. Es riecht gut, Kapuzinerkresse rankt sich hoch.

Kontrastprogramm im Zentrum, es gibt viel zu entdecken!

Die Schluchten der Skyscraper an der Montgomery-Street lassen immer eine Wahrnehmung zur Bay zu, es ist nicht eng. Hier in der City ist alles übersichtlich gerade, Orientierung leicht gemacht. Spannend ist die Anordnung der Stadt um die Bay herum, hier breitet sie sich über die sanften Hügel aus, jeder Stadtteil mit einem anderen Gesicht. Attraktiv ist Berkeley mit dem Campus - eine Welt für sich.

Die Verschiedenheit der Menschen spiegelt sich in den sehr individuell gestalteten Häusern wieder, eine ganz eigene Ästhetik mit sich hochwindenden Treppen, Verzierungen, bemalten Umrahmungen der Fenster, alles licht und einladend, trotz der vielen Sicherheitsgitter und Alarmschilder der jeweiligen Überwachungsfirmen. Winzige Gärten hinter Zäunen oder Hecken mit blühendem Oleander, Bougainvillea in allen Farben, Kakteen, Agaven.

In der „Mission“ ist der Dolores-Park voller junger Leute auf dem Rasen, hüpfende Hunde aller Rassen, weiter Blick auf die Skyline, vorm Café muss man warten, es sind zu viele auf einmal da. Erst wenn ein Tisch frei wird kann man eintreten.

Abends findet das Mexikanische Totenfest statt, schon am Ausgang der BART (Metro) stehen kleine Stände und die Leute lassen sich schminken, es gibt Blumen und Brot zu kaufen, und viele Sorten Kerzen. Es geht los, das Warten hat sich gelohnt, ein unglaublich buntes und vielfältiges Spektakel beginnt, laute Trommeln, sich drehende Tänzer in der Mitte der Strasse, die Zuschauer stehen dichtgedrängt am Rand. Vom Vollmond beleuchtet bewegt sich die Menge langsam voran, es ist ein Fest der skurrilsten Masken, Gesichter und Verkleidungen, eine Prozession der Freude , schwarz-weiss, grell-bunt, laut und verhalten zugleich.

Das MOMA ist ein Muss, unglaublich gekonnte Architektur die sich in den sparsam bemessenen Aussen-Raum wunderbar einfügt, natürlich ist auch hier alles sehr gross - die Treppen, die Ausstellungsflächen, der Lichtraum in der Mitte, der oben von einer Art Kuppel gekrönt wird, Bilder und Skulpturen grosser Namen, einer wichtiger als der andere - ein Ort wo man die Zeit vergisst.

Die von uns Menschen erlebte Zeit wird komplett aufgelöst beim Anblick des Weltraums im Morrison-Planetarium, die Technik der dreidimensionalen Illusion macht es möglich in entfernte Galaxien einzutauchen, vorbeizischende Gestirne , Black Madder und die eigene Hilflosigkeit angesichts dieses unendlichen Raumes kennenzulernen. Das Dinosaurier - Skelett erinnert an die Dimension der Vergangenheit, aktuell ist der Regenwald in der Glasvitrine, viele junge Leute treffen sich, es gibt Getränke, und unten bei den Aquarien ist die Vieldimensionalität komplett : unter dem Glas-Wasserbogen kann man auf Bänken nach oben schauen, man sieht die Fische in den vielfältigsten Farben, , und darüber noch einmal Menschen die auf alles herabschauen, blau phosphoreszierende Kopfhörer versorgen sowohl die stumm Tanzenden wie auch die Yoga-Praktizierenden im einsehbaren Raum gleich nebenan.

Yosemite - grossartiger Nationalpark, 4 Autostunden entfernt - zieht mich magisch an.
Schlafen im Zelthaus, - mit elektrischer Heizung - denn es ist schon kalt und feucht, das letzte freigegebene Wochenende für Besucher, danach beginnt der Winter mit Schnee. Stahlkästen für die Lebensmittel sind vor jedem Zelt installiert, sicher abschliessbar wegen der Bären, die nachts unterwegs sind. Befestigte Wanderwege führen bis weit nach oben , die atemberaubende Schönheit muss man sich erarbeiten!

Half Dome und El Capitan, umspielt vom Nebel, zeigen ihre Grösse nur zögerlich. Das trockene Flussbett unten im Canyon wird im Winter zum See. Vergoldete Wege führen daran entlang, Herbstlaub spiegelt sich, majestätische Ruhe trotz vieler Wanderer und Besucher. Zurück nach San Francisco durch die vertrocknete Steppenlandschaft, ab und zu schwarze gedrungene Rinder die merkwürdigerweise das Gestrüpp - Gras fressen, Hügelwüste ohne Ende.

Ein weiterer Ausflug geht nach Santa Cruz im Süden entlang der Küste, Highway Nr. 1.
Der Pazifik donnert heran, die Küste ist schroff, sanft, steil und weit zugleich. Die Straße geht perfekt dort entlang wo man die schönsten Ausblicke hat, man möchte nur noch an den Wellen entlang laufen...
Fischessen auf der Mole, bunte Eistüten - riesig - dann im Dunkeln zurück, in die Stadt voller Kontraste.

Der Rückflug ist nachts, ich habe Glück und es ist nicht voll, und kann sogar schlafen, während die Gedanken und Träume um die Bilder und Erlebnisse dieser beiden besonderen Wochen im November kreisen.
Völlig klar, dass ich wiederkomme!

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